Chinesische Baustoffanlagenindustrie im Wandel: „Ihr müsst euch schneller bewegen“

VDMA

Deutsche Hersteller von Baustoffanlagen müssen in China jetzt die Weichen stellen, um auch nach 2020 im Markt zu bestehen. Danach wird die gezielte chinesische Industriepolitik einen fundamentalen Wandel hervorbringen, sagte Chinaexperte Björn Conrad, Sinolytics auf dem VDMA-Baustoffanlagentag am 7. März in Frankfurt. Wer vorbereitet ist, kann profitieren. Hier eine Zusammenfassung seines Vortrages.

Markt wird ab 2021 herausfordernder
China ist am Scheideweg einer neuen Phase. Das müsse nicht schlechter sein, aber für deutsche Baustoffanlagenhersteller deutlich herausfordernder als bisher. Sie sollten sich schon heute auf die Zeit nach Ablauf des aktuellen 5-Jahresplanes 2020 vorbereiten. Seine These: Ab 2021 wird der politische Druck auf Baustoffanlagenhersteller höher. Es gilt als sicher, dass durch gelenkte punktuelle Industriepolitik, chinesische Unternehmen bevorteilt und ausländische Hersteller aus dem Markt gedrängt würden. Insgesamt müssen sich die Deutschen schneller bewegen und ihre Chancen nutzen. Die sieht Conrad vor allem in der Spezialisierung und bei Umwelttechnologien.

Überkapazitäten will sich China nicht mehr leisten
Heute kennzeichnen enorme Überkapazitäten den chinesischen Baustoffmarkt. 2017 lag der Auslastungsgrad in den dortigen Zementwerken bei nur 60%, Tendenz weiter sinkend. China will sich das zukünftig nicht mehr leisten und dringt mit Programmen auf mehr Effizienz. So gab es staatlich verordnete monatelange Produktionsstopps. Darüber hinaus dürfen Hersteller neue Kapazitäten nur schaffen, wenn sie alte im Verhältnis 1:1 abbauen. Preise werden durch diese künstliche Verknappung des Angebotes hochgehalten.

Umweltkampagnen rollen durch das Land
Kapazitäten runter, Umweltschutz rauf sei das Motto der chinesischen Regierung: Krasse Verschärfungen der umweltpolitischen Maßnahmen sind schon heute an der Tagesordnung. So geht die Regierung hart mit Geld- und Haftstrafen gegen Umweltsünder vor. Umweltkampagnen rollen durch das Land, die solche Firmen aufspüren sollen. Die Regierung hat eine neue Welle ab 2019 angekündigt. Das zeigt schon heute Effekte und setzt Hersteller und ihre Kunden unter Druck. Mit einer neuen Regelung, die am 1.1.2018 in Kraft trat, setzt das Steuersystem zudem neue Anreize für eine saubere Produktion.

Technologische Aufholjagd hat begonnen
Die technologische Lücke zwischen chinesischen und ausländischen Herstellern ist noch existent. So findet man chinesische Anbieter weiterhin im niedrigen und mittleren Preissegment, Kernkomponenten werden importiert. Die Aufholjagd hat jedoch begonnen. Einige Champions, wie z.B. die staatliche getriebene Fusion des Simona/LNBM Konzerns oder Pengfei greifen im Baustoffanlagenbereich bereits an. Zukünftig wird es mehr solcher Megakonzerne geben, die technologisch auf Augenhöhe spielen und auch international ein ernst zu nehmender Wettbewerb sein werden. Die Ziele seines ambitionierten technologischen Fortschritts hat China in seiner Industriepolitik Roadmap 2025 festgelegt. Dazu zählen Dinge wie die integrierte Fertigung oder Smart Manufacturing. Diese Vorstellungen werden bis 2025 nicht alle verwirklicht werden, aber der Effekt ist schon heute spürbar, die Dynamik mit Händen greifbar.

Vom Betonfertigteilschub und den Seidenstraße-Projekten profitieren
Ab 2020 steht der allgemeine Trend im chinesischen Baustoffsektor auf Abkühlung. Mit Blick auf den Umweltschutz und den technologischen Wandel gibt es aber für deutsche Baustoffanlagenhersteller auch Chancen. Weil sie heute noch nicht im Fokus des politischen Interesses stehen, haben sie Zeit, sich vorzubereiten und vernünftig auf den Wandel einzustellen. Hinzu kommt, dass die neue Nachfrage nach technologisch hochwertigen Baustoffanlagen die Chinesen heute lokal noch nicht bedienen können. Politisch gesteuert sollen darüber hinaus bald 20% der Bauleistungen durch Vorleistung erbracht werden. Bis 2026 soll der Anteil von Fertighäusern aus Betonfertigteilen signifikant auf 30% also riesige Quoten gesteigert werden. Das verspricht enormes Potential für die technologisch führende deutsche Betonfertigteilindustrie. Und auch die chinesische Expansion hin zur Neuen Seidenstraße birgt Geschäftsmöglichkeiten. Chinesische Konzerne verlagern bereits immense Kapazitäten nach Zentralasien, 100 neue Zementwerke sollen allein dort errichtet werden. Fast täglich kommen neue Infrastrukturprojekte auf die Liste.

Weitere Informationen:
Björn Conrad, Sinolytics LLC, Berlin