VDMA Branchentreff Mining in Essen setzt eindeutige Signale für die Zukunft: Die Musik spielt im Ausland

VDMA

Mit einer Exportquote von 97 Prozent ist klar, in welche Richtung die Entwicklung geht. Die Branche wird internationaler, das zeigte sich auch bei den rund 150 Teilnehmern des Branchentreffs, der alljährlich auf der Zeche Zollverein stattfindet.

Delegationen aus Südafrika und Kanada signalisierten am 14. November ihr Interesse an der Zusammenarbeit mit deutschen Bergbaumaschinenherstellern, die mit Know-how in den Bereichen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Automatisierung punkten können.

Internationale Gäste
Südafrika präsentierte sich als Eingangstor zum afrikanischen Kontinent. Der Bergbau trägt 18 Prozent zum BIP bei und hält einschließlich Öl einen Exportanteil von 47 Prozent. Mark Taylor, Managing Director TEMAMII NPC, erläuterte, wie wichtig der Aufbau von persönlichen Beziehungen und Vertrauen sei bevor das eigentliche Geschäft stattfinden könne. Zusammenarbeit und Partnerschaft seien die Basis für erfolgreiche Geschäfte mit südafrikanischen Kunden (relationship before technology).

Alain Thivierge, Director Naturallia Economic Development Organization aus Kanada, sah das größte Potenzial für deutsche Hersteller im Smart Mining. Kanada habe zahlreiche KMUs, die für die Umsetzung von Digitalisierungsprozessen Unterstützung benötigten. Man habe Befürchtungen, technologisch den Anschluss zu verlieren. Das Freihandelsabkommen CETA erleichtere den gegenseitigen Handel.

Quo vadis deutscher Bergbau?
Dr. Michael Schulte Strathaus, Vorsitzender des VDMA Mining, berichtete über die Arbeit an der Roadmap 2035. Sie wurde ins Leben gerufen, um die Herausforderungen der Zukunft zu definieren und daraus Arbeitspakete zu schnüren. Hersteller und VDMA arbeiten gemeinsam an den Themen Freihandel, „German Quality“, Standardisierung, Datenmanagement und Corporate Social Responsibility. Qualitätssicherung, technische Standards und das Datenmanagement stehen derzeit im Fokus. Der VDMA Mining übernimmt dabei die Organisation, koordiniert die Anforderungen der Mitgliedsunternehmen an Studieninhalte und diskutiert mit den Lehrstühlen an den Universitäten über deren Umsetzung. Ferner sorgt er dafür, dass die Mitglieder in die Normungs- und Regelungsprozesse einbezogen werden. Er unterstützt die Firmen bei der Datensicherheit, den Datenrechten und datenbezogenen Haftungsthemen mit Informationen und Mustertexten. Der Fachverband wird die Entwicklung von Softwaresystemen und Datentechnik beobachten und mit seinen Mitgliedern darüber im Austausch stehen.

Nie ganz sicher
Einen aufrüttelnden Vortrag, sich der Gefahren bewusst zu sein, hielt Dipl.-Phys. Jens Wiesner, Referatsleiter „Industrielle Steuerungs- und Automatisierungssysteme“ im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. Cybersecurity ist wie eine Versicherung: im besten Fall braucht man sie nicht. Cybercrime ist ein durchorganisiertes Geschäft und Hackerangriffe werden immer besser. Man muss kontinuierlich investieren, um auf dem neusten Stand zu bleiben. Datensicherheit ist lebenswichtig für jedes Unternehmen, warnte der Experte.

Wem gehören die Daten?
Überraschend war für einige sicherlich der abschließende Vortrag des VDMA-Experten RA Daniel van Geerenstein vom VDMA Recht. Nicht personalisierte Daten, so sie nicht anderes Recht betreffen wie Patentrecht, Markenrecht, Strafrecht usw. gehören niemandem, so auch „nicht auf Personen bezogene“ Maschinendaten. Es gibt kein Gesetz im deutschen AGB-Recht, das die Eigentümerschaft von allgemeinen Maschinendaten regelt. Niemand kann einen Rechtsanspruch auf Datenhoheit erheben. Es gibt momentan nur die Möglichkeit, vertragliche Vereinbarungen zu treffen, welche die Daten zum Beispiel kategorisieren, den Vertragsparteien durch Lizensierung zuordnen oder durch Verschlüsselung und andere technische Maßnahmen „faktisches Eigentum“ schaffen. Der VDMA stellt seinen Mitgliedern einen VDMA Guide mit einer praktischen Toolbox für vertragliche Vereinbarungen zur Verfügung.

Dieser Leitfaden behandelt die Themen Datenhoheit, Datenschutz, Datensicherheit u.v.m.

Die Bergbauzuliefererbranche trifft sich wieder am 19. November 2020 am Standort Zeche Zollverein.

 

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